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Permakultur- und Klimaschutzsiedlung Leichlingen Dierath

Durch den Klimawandel fangen viele Menschen an ihr Leben und die bisherige Art zu Wohnen zu hinterfragen. Wie kann das Wohnen von morgen aussehen?

Umweltbewusstsein und Umweltverhalten werden immer wichtiger und sind inzwischen Teil unserer Lebensführung geworden. Klimaschutz ist auf allen Ebenen angekommen.

Ziel der Baumaßnahme ist es, eine nachhaltige, zukunftsorientierte Wohnansiedlung zu realisieren, die mit natürlichen, ökologischen Baustoffen ein langfristig preis-wertes, gesundes und sozialverträgliches Wohnen ermöglicht, das stadtplanerisch an das bestehende Umfeld angepasst ist.

Wir wollen somit erreichen, dass keine Mehrbelastungen für den Boden und die Natur entstehen, sondern durch die Art der Bauweise und Renaturierung der Gesamtfläche mehr Biodiversität geschaffen wird – als Lebensraum für Mensch, Natur und Umwelt.

Es wurde ein ausgewogenes Konzept entwickelt, das ein innovatives Energiekonzept, konsequent ökologisches Bauen und einen Permakulturgarten mit sozialen Aspekten wie Gemeinschaftssiedlung und Mehrgenerationswohnen zusammenbringt.

Das „Leuchtturm-Projekt“ ist für Leichlingen und in der Region außergewöhnlich und kann einen Beitrag dazu bieten, die Klimawende im Baubereich anzugehen: denn aktuell wird (leider!) selten nachhaltig gebaut. Beispielsweise werden Passiv- oder KfW 40+ Häuser vorwiegend aus unökologischen Baustoffen erstellt.

Mit dem Projekt  haben wir uns ambitionierte Nachhaltigkeitsziele gesetzt.
Das Konzept geht weit über gesetzliche Standards im Bereich Ökologie und Soziales hinaus. Dies ist durch die Energieagentur NRW im Dez. 2021 bestätigt.

Angesichts der vielfältigen Krisen in unseren globalen Ökosystemen setzt Permakultur auf Nachhaltigkeit, Balance und Fairness.

Unter dem Begriff „Permakultur“ versteht man ein biodiverses und nachhaltiges (landwirtschaftliches) Nutzungsprinzip, das auf der Acker- und Siedlungsfläche in Dierath eingesetzt werden soll. In einem mehr-dimensionalen Design wird die Natur proaktiv genutzt.

Permakultur bedeutet die Gestaltung eines Systems, dessen Elemente zueinander in einer funktionellen Beziehung stehen und sich selbst erhalten. Dazu gehört das Schaffen unterschiedlicher natürlicher Lebensräume, wie   

z. B. Waldgarten mit heimischen Bäumen und Pflanzen, Blumen- und Streuobstwiesen, Naturteich, usw.

Gleichfalls  entsteht  Lebensraum für den Menschen: Treffpunkte, Erholungsraum, Spiel- und Arbeitsbereiche, Gemüsebeete, ggf. Kleintierhaltung, etc.

Permakultur verfolgt einen ganzheitlichen Ansatz, um die Balance von Mensch und Natur in Einklang zu bringen und Artenvielfalt und Biodiversität zu begünstigen.

Weiterhin hilft dieses Konzept, Pflanzen und Boden fit gegenüber dem Klimawandel zu machen, Wasser zu sparen, den Boden durch Humusaufbau biologisch aufzuwerten und durch eine bessere Durchwurzelung die Versickerungsfähigkeit von Regenwasser zu steigern sowie Feuchtigkeit im Boden zu halten.

Steinvorgärten und asphaltierte oder gepflasterte Einfahrten und Vorplätze  mit hohem Versiegelungsgrad sind demnach im Baugebiet ausgeschlossen.

Für die Planung und Begleitung des Permakulturkonzeptes konnten wir den renommierten Permakultur-Designer Volker Kranz gewinnen.

Im aktuellen Flächennutzungsplan ist das Areal als Siedlungsfläche bereits ausgewiesen. Die geplante Bebauung stellt die 4. Änderung des bestehenden Bebauungsplans Nr. A7 dar.

Die letzte (3. Änderung) erfolgte 1999.

Geplant sind  9  Wohnhäuser, mit zusätzlichen Einliegerwohnungen auf  9 Privatgrundstücken mit Grundstücksgrößen von +/-  500 m². Diese sollen sich in die bereits bestehende Bebauung in Dierath harmonisch einfügen und den im Flächennutzungsplan eingefassten Siedlungsraum abrunden.

Durch eine versetzte Anordnung der Häuser soll eine gleichmäßige Belichtung, Sichtschutz und Rückzugsraum sowie Individualität erreicht werden.

Natürliche Abgrenzungen wie bepflanzte Erdwälle, heimische Hecken und z.T. begrünte Holzzäune sollen  Privatsphäre ermöglichen.

Zudem soll in dem Areal eine Gemeinschaftsgartenfläche als Permakulturgarten entstehen, die sowohl von den Bewohner*innen als auch externen Besucher*innen genutzt werden kann.

Die Permakultur- und Klimaschutzsiedlung wird mit heimischen Hölzern und Pflanzen begrünt. Regenwasserversickerungen finden im gesamten Gebiet auf den eigenen Grünflächen und in den gemeinschaftlichen Landschaftsräumen statt. Der ökologisch zu schaffende Ausgleich kann komplett im Bereich des Planungsgebietes stattfinden, sodass eine Aufwertung in der Flächenbilanz mit ökologischer Perspektive entsteht.

Neben den energetischen Anforderungen wird weiterhin die Klimaverträglichkeit der Baustoffe unter baubiologischen Kriterien betrachtet. Wir legen Wert auf die Verwendung ökologisch-nachhaltiger und möglichst regionaler Baustoffe.

Umweltschädliche Materialien werden auf ein technisch erforderliches Minimum begrenzt, stattdessen werden nachhaltige Alternativen verwendet. Der Bau von Kellern ist i. d. R nur mit dem klimaschädlichen Baustoff Beton feuchtigkeitssicher herzustellen, von daher sind Keller im Plangebiet ausgeschlossen.

Im Bereich der Wärmedämmung sind erdölbasierte Schaumstoffe sowie Mineral- und Glasfaserdämmstoffe ausgeschlossen. Alternativen sind Dämmstoffe aus nachwachsenden Rohstoffen bzw. Recyclingmaterialien, wie z. B. Zellulosefasern, Holzweichfaser, etc.

Die Gebäudekonstruktion wird ausschließlich in Holzrahmenbauweise erfolgen.

Bauen mit Holz erfüllt die ökologischen Anforderungen perfekt, ist leicht, stabil, wärmedämmend, brandsicher, nachwachsend und hat den großen Vorteil, dass CO² im Holz gebunden bleibt und über die Nutzungsdauer des Gebäudes nicht freigesetzt wird.

Auf der Klimakonferenz in Paris haben sich die Staaten der Erde verpflichtet, Konzepte zur Begrenzung der Erderwärmung auf maximal 1,5°C zu erarbeiten und umzusetzen. Deutschland hat hierzu 2016 den „Nationalen Klimaschutzplan 2050“ vorgelegt. Darin wird im Gebäudebereich für das Jahr 2030 eine Verminderung der Emissionen von 66 – 67% im Vergleich zu 1990 festgeschrieben. Ab 2050 soll der Gebäudebestand klimaneutral sein. Da Gebäude besonders langlebig sind, müssen hierzu schon frühzeitig die Weichen gestellt werden.

Unser Konzept der Klimaschutzsiedlung Dierath sieht eine Energieversorgung mit erneuerbaren Energieträgern vor. Die Stromgewinnung aus Sonnenlicht durch Photovoltaik dient in Kombination mit der Erdwärmenutzung als Schlüsseltechnologie. Die Sektoren Strom, Wärme und Mobilität werden gekoppelt. Ziel ist eine vollständig nachhaltige und zukunftsfähige Energieversorgung des Gebietes. In der Bilanz erreichen wir eine 100%ige Versorgung aus dem Areal selbst.

Zusammenfassend:

  1. Photovoltaik-Anlagen auf allen nutzbaren Dachflächen. Die Anlagengröße wird so gewählt, dass  der benötigte Strom für Wärmepumpe, Elektromobilität und privatem Verbrauch in der Jahresbilanz vollständig gedeckt wird.
  2. Stromspeicher zum Ausgleich von Überschuss und Verbrauch. Es soll ein zentraler Stromspeicher für alle Häuser eingesetzt werden, um Synergieeffekte zwischen den einzelnen Nutzern zu ermöglichen. Ziel dieses Speichers ist, den erzeugten Solarstrom möglichst im Areal selbst zu verbrauchen.
  3. Wärmepumpenanlagen mit Erdwärmenutzung zur Gebäudebeheizung und Warmwasserbereitung. Es werden hocheffiziente Wärmepumpen neuster Generation eingesetzt.
  4. Kaltes Nahwärmenetz zur zentralen Versorgung der Wärmepumpen mit Erdwärme. Das Netz wird in der Erschließungsstraße und in den daran anschließenden Grundstücken verlegt. Durch die Leitungen zirkuliert eine Wärmeträgerflüssigkeit zur Aufnahme von Bodenwärme. Jedes Gebäude wird mit einer Vor- und Rücklaufleitung an dieses Netz angeschlossen und nutzt die Bodenwärme zur Beheizung und Warmwasserbereitung.
  5. Hoher Dämmstandard der Gebäude mit deutlicher Unterschreitung der geltenden Energieeinsparverordnung.

Jedes Haus verfügt über eine eigene Elektroladestation (Wallbox), zum Baugebiet zählen außerdem Besucherparkplätze, die zum größten Teil ebenso mit Elektroladestationen ausgestattet werden, sämtlich mit Photovoltaik betrieben.

Im Gemeinschaftseigentum wird es ein Elektrolastenrad, -PKW und  -fahrräder zum Sharing geben, um die Anzahl von Fahrzeugen zu reduzieren.

Zielgruppe sind junge Familien, Paare und Einzelpersonen mit gemischten Altersstrukturen.  Um Vielfalt und Wohnraumschaffung zu realisieren,  planen wir eine Bebauung auf der ausgewiesenen Siedlungsfläche mit 9 Wohnhäusern, die zusätzliche Einliegerwohnungen enthalten sollen, um zum Beispiel Mehrgenerationswohnen oder Raum zur Vermietung zu ermöglichen.

Das generationenübergreifende Konzept und die Erstellung eines ökosozialen Lebensraums ist ein wichtiges Anliegen des Planungsteams. Die Gemeinschaftsbereiche sollen soziale Begegnungen und gegenseitige Unterstützung fördern, Kindern und Erwachsenen Lebensraum bieten, die Anschaffung gemeinschaftlich genutzter Wirtschaftsgüter begünstigen und Teilselbstversorgung ermöglichen.

Dieses Projekt bietet den Bewohner*innen und den Bürger*innen der Umgebung die Möglichkeit, im eigenen örtlichen Umfeld kreativ und nachhaltig mitzuwirken.

Die Grundstücksverkaufspreise richten sich ausschließlich nach den entstandenen Kosten durch den Kauf der Gesamtfläche, den Aufwendungen des Bebauungsplans, der Entwässerung und Erschließung, Teile der Energieversorgung  und der Erstellung des Permakulturplans sowie den gutachterlichen Begleitungen und Zertifizierungen, sodass auch jungen Familien der Erwerb eines Grundstücks möglich sein soll.

Die Gemeinschaft der Bewohner*innen organisiert sich in einer GbR.

Mit diesem Projekt soll gesundes und nachhaltiges Wohnen mit hoher Lebensqualität, zu verträglichen Preisen, realisiert werden:

ökologisch, ökonomisch und sozial.

Vorhabenträger

Das Vorhaben wird von der Firma Kleinpoppen Projekte e. K. mit Sitz in Solingen durchgeführt. Die Projektentwicklungsgesellschaft wurde von André Kleinpoppen vor über 30 Jahren gegründet, sie erwirbt und entwickelt Grundstücke für Wohnbau- und Gewerbevorhaben in Deutschland.

Das Planungsteam der Permakultur- und Klimaschutzsiedlung:

André Kleinpoppen (Vorhabenträger s.o.)

Michael Schäfer (Energiekonzept)

Michael Schäfer befasst sich als Pionier der Photovoltaik seit über 35 Jahren mit der technischen Umsetzung von effizienten und nachhaltigen Energiekonzepten (Geschäftsführer von Solar Quartier GmbH) 

Gemeinsam mit  der Kleinpoppen Projekte e. K. werden seit 4 Jahren Klimaschutzsiedlungen und Wohnbaukonzepte im Rheinisch Bergischen Kreis entwickelt, die sich selbst mit CO²-neutraler Energie versorgen.

Prof. Hartmut Welters (Stadtplanung)

Hartmut Welters (Prof. Dipl.-Ing., Architekt und Stadtplaner) ist Mitinhaber des Architektur- und Stadtplanungsbüros Post Welters + Partner, Dortmund/Köln und Professor für „Stadtbereichsplanung und Wohnbau“ an der Technischen Hochschule Mittelhessen (THM Gießen).

Volker Kranz (Permakultur)

Volker Kranz ist Landschaftsgärtner und Permakultur-Designer. Er arbeitet seit 35 Jahren als selbständiger Planer und Gestalter von ökologischen Projekten im In- und Ausland. Besonders mit den Themen Systemdesign, Komplexität, Waldgärten und Wasserbau hat er sich in der Vergangenheit intensiv beschäftigt.

Er ist Geschäftsführer der Firma „baumrausch“ und gehört zu den Pionieren des ökologischen Landschaftsbaus in Deutschland.